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Outdoor- & Reiseberichte Egal, ob ihr eine Stunde,eine Woche, oder ein Jahr unterwegs seid...

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  #1  
Alt 30.12.2010, 16:31
outdoorfreak outdoorfreak ist offline
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outdoorfreak Stammes Mitglied
Standard Autarke Selbstversorgung in Frankreich

Hallo,

vielleicht sollte ich die Überschrift ändern in "Der Versuch autark als Selbstversorger zu leben".

Aber trotzdem schreibe ich jetzt hier mal einen Bericht über meinen 5-monatigen Aufenthalt, von Mai bis Ende September in den Vogesen (Gebirge in Frankreich) hoch oben in den Bergen mittem im Wald wo ich die ganze Zeit im Zelt gelebt hab:


Wie es dazu kam:

Ich hab die ersten zwei Monate März u.April auf einem kleinen Selbstversorgerbauernhof in den Vogesen gearbeitet wo ich auch dort einen Gemüsegarten angelegt habe. Da ich aber komplett in der Natur leben wollte hat mir der Besitzer ein Grundstück mittem im Wald gezeigt, welches schon seit 20 Jahren nicht mehr bewohnt ist.

Wir kontaktierten den Besitzer, der mittlerweile in der Türkei lebt und kein Interesse hatte wieder zurückzukommen. Er gab mir die Erlaubnis darauf zu bleiben und einen Garten anzulegen.


Allerdings fanden wir das Grundstück erst Ende April. Anfang Mai gings dann los.Erst deckte ich mich noch mit Vorräten ein (zwei Sack Kartoffeln, Reis, Nudel, Tomatensauce, Müsli, Bohnen-Mais- und Erbsen Dösen, Zwiebeln)

Dann auf dem Grundstück angekommen schlug ich mein Zelt auf und fing an die Wiese umzugraben um einen Gemüsegarten anzubauen.

Es war sehr mühsam Quälerei. Vor allem war es im Mai sau kalt und es regnete einen Monatfast ununterbrochen. Ich stand also mindestens 5 Stunden (mehr hätte ich nicht ausgehalten)jeden Tag bei Regen und Kälte einen Monat lang auf der Wiese und pflügte 200 Quadratmeter zu einem bewirtschaftbarem Acker um.

Schon nach zwei Wochen wollte ich beinahe aufhören, vor allem aber, weil ich fürs säen und bepflanzen schon sehr spät dran war.

Aber ein Bauer, der zwei Kilometer oberhalb von mir wohnte machte mir Mut, dass ich weitermachen soll. Und vor allem, dass ich erst einen kleinen Teil umgraben soll und dann anschließend säen/bepflanzen. So machte ich es dann auch und fing als erstes an Kartoffeln zu pflanzen.

Anschließend pflanzte ich Bohnen, Kürbisse, Zucchini, Soja-Bohnen, Rosenkohl, Wirsing, Rotkohl, Brokoli, Mais Tomaten, Paprika und Quinoa.

Allerdings wurde ich mit bepflanzen spät fertig, ungefähr Ende Juni. Hatte zwar guten Ertrag, er wäre aber weitaus besser gewesen wenn ich schon Anfang Mai alles ausgesät hätte.


Nach dem anlegen eines Gemüsegartens war ich noch zwei Wochen damit beschäftigt die Obstbäume von Gestrüpp zu befreien.

Dann wollte ich noch ein kleines Erdhaus bauen
http://www.allmystery.de/dateien/vo6...2,Erdhaus1.JPG

fing schon an, ein Fundament für den Bau vorzubereiten, allerdings bekam ich dann die Meldung, dass der Besitzer doch irgendwann , vielleicht in fünf Jahren zurückkommen möchte.

Damit war dann auch das Ende meiner Vision auf diesem Grundstück eine kleine Gemeinschaft zu gründen, die sich komplett selbstversorgt, sei es mit Nahrung durch eigenen Anbau als auch durch traditionelles Handwerk wie Werkzeuge schmieden, Töpfern, Kleider nähen/stricken, Heilpflanzen und Alternative Medizin uvm..

Doch ich blieb noch bis Ende Herbst um dann wieder die Ernte mit nachhause zu nehmen.

Ich hatte einen wunderschönen Sommer. Es war Freiheit pur. Morgens stand ich auf wann ich wollte (meist so um 8), dann wusch ich mich an der Quelle oder am Bach, dann frühstückte ich gemütlich und fing dann an zu arbeiten.

Aber eigentlich war es keine Arbeit, es war eher das, was zu meinem Leben dazugehörte. Garten bauen, Zäune bauen, Haus bauen usw..

Auch sammelte ich manchmal essbare Wildpflanzen und beschäftigte mich ein bisschen mit Heilpflanzen. Aus Vogelmiere machte ich desöfteren Salat und Brenesseln kochte ich.

Allerdings ernährte ich mich doch noch den ganzen Sommer aus gekaufter Nahrung, welches mich auch ein bisschen störte. Aber mich ganz aus der Natur mit essbaren Wurzeln, Pilze, Pflanzen, Wildobst, und Beeren zu ernähren, da bin ich noch weit davon entfernt. Zusätzlich aus den Gemüse und Obst aus dem Garten versteht sich.

Aber trotzdem möchte ich dahinkommen. Gekocht hab ich auch immer auf offenem Feuer vor dem Zelt. Allerdings machte ich das Feuer noch mit gekauften Streichhölzern, welches ich auch ändern möchte.


Fazit: Es war eine sehr gute Erfahrung, ich hatte doch noch eine gute Ernte Ende September. Und vor allem weiss ich, dass ich für immer so leben möchte. Aber mir ist dennoch bewusst, dass ich mit allem noch am Anfang stehe und dass es ein jahrelanger Prozess ist wircklich dazu zu kommen, ganz autark zu leben (also wircklich unabhängig von der Aussenwelt).

Ich bin mir auch am überlegen, ob der Mensch nicht einen schweren Fehler tat, als er mit Ackerbau anfang. Schließlich stört man mit dem umgraben die ganzen Bodenlebewesen (Würmer, Mikroorganismen) und zerstört die Bodenfruchtbarkeit.

Ich träume von essbaren Landschaften. Also Wälder bestehend aus überwiegend Obstbäumen, Beerensträuchern und mehrjährigen sich selbst auspflanzenden Pflanzen.

Ich wurde auch fündig, solche Ideen wurden tatsächlich schon umgesetzt, allerdings steckt es noch in den Kinderschuhen:

http://www.waldgaertner.de/der-waldgarten/

Was mir auch aufgefallen ist: Ich hatte zwar eine sehr schöne Zeit, da oben in den Bergen mitten im Wald fernab von Zivilsation. Aber irgendwann merkt man auch, dass der Mensch nicht zum allein leben gemacht ist. Der Mensch ist ein Gemeinschafts bzw. Gruppenwesen das andere Menschen zum leben brauch.

Unten hab ich noch ein paar Photos angehängt

Viele Grüsse

Outdoorfreak
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Wir müssen die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen

Mahatma Ghandi

Geändert von outdoorfreak (16.01.2011 um 00:13 Uhr)
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  #2  
Alt 31.12.2010, 16:56
Benutzerbild von Bowhunter
Bowhunter Bowhunter ist offline
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Bowhunter Stammes Mitglied
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Wow, das nenne ich doch mal nen gelungenen Bericht! Sehr schön alles beschreiben, gefällt mir echt super gut! Du hast auch deutlich gemacht, dass man nicht vin heute auf morgen nur vin der Natur leben kann. Danke für diesen Bericht!
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Wer in der Wildnis lebt, sollte sich bewusst sein, wahrscheinlich nie wieder Anschluss zur Zivilisation zu finden.
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  #3  
Alt 01.01.2011, 20:06
vival vival ist offline
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vival Stammes Mitglied
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ein wunderschönes erlebnis das ich auch gerade durchlebe mit dem unterschied das es für immer ist

sehr schön beschrieben !!
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  #4  
Alt 01.01.2011, 22:38
outdoorfreak outdoorfreak ist offline
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Hallo

danke für die Feedbacks.

@blowhunter:

Ich denke es ist ein Prozess, der Jahre schon ein paar Jahre dauern kann,wieder dahin zu kommen, dass man sich komplett mit Nahrung und anderen Dingen aus der Natur versorgen kann.

Aber irgendwann muss man ja mal den Anfang machen... und vor allem geht es mir einen Weg zu finden wieder in und mit der Natur zu leben.

Der Bericht oben ist übrigens nur eine kleine Zusammenfassung meines Tagebuchs, das ich irgendwann mal veröffentlichen will.

Das Buch dann soll den Titel haben: "Freiheit und Rückkehr zur Natur durch Autarke Selbstversorgung"

In dem Buch werden dann auch verschiedene traditionelle Handwerkskünste ausführlich beschrieben wie:

Schmieden, Korbflechten, Kerzen machen, Schreinern, ökologischer Hausbau, ökologisch Gärtnern und Waldgärten, Töpfern, Seile herstellen, Heilpflanzen und Tricks sich bei Verletzungen selbst zu helfen. Auch ein paar Survival Themen wie Feuermachen, oder Hütte bauen, Wetterkenntnisse usw.. wären nicht schlecht.

Ich träume von der Gründung einer Akademie, wo man sowas nochmal lernen kann, sowas ähnliches gibt es schon, allerdings in Österreich:

http://slowork.net/

Allerdings, und das mir jetzt auch sehr wichtig zu sagen (gerade für deutsche): Es gibt im Leben mehr als nur arbeiten. Hobbys sind mindestens genauso wichtig wie z.B Tauchen,schwimmen, Mountainbiking, Klettern, Kajak-fahren usw..

Ich hab am Tag normalerweise nie mehr als 4 Stunden am Tag gearbeitet (ausser mal kurz am Anfang), so dass ich noch genügend Zeit für in der Hängematte liegen, lesen und Hobbys hatte.

@vival

Glaub mir, ich such auch einen Weg für immer so zu leben.

Viele Grüsse

Outdoorfreak
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Mahatma Ghandi
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  #5  
Alt 14.01.2011, 10:24
Benutzerbild von alter Schwede
alter Schwede alter Schwede ist offline
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alter Schwede Stammes Mitglied
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Ja Outdoorfreak,
alles recht und schön. Du hast ja auch kostenaufwändige Hobbys genannt. Wie kannst Du das finanzieren, mit - "nie mehr als 4 Std. Arbeit am Tag" vom Gemüseverkauf ?, sicher nicht. Wenn man bedenkt, was z.B. nur eine Krankenversicherung im Monat kostet. Bleibt nur noch,- Beruf: "Sohn".
Trotzdem, es soll ja immer wieder solche Lebens-Überlebenskünstler geben.
Zum Thema," der Mensch ist nicht zum Alleinleben gemacht" und daß er andere Menschen zum Leben braucht- Ich glaub das kann man nicht so ver all gemeinern. Was ist mit dem Ausnahmefällen, den Trappern am Yukon, den notorischen Einzelgängern wie ich einer seit meiner frühesten Jugend bin sowas prägt Dich ein Leben lang. Wie mein Name schon sagt, gehöre ich der älteren Generation an und schon viele Jahre bestens Alleine zurecht komme. Meine vielen Alleingänge in den 8oer Jahren in den Alpen, oder wochenlang alleine im schwed. Fjäll rumgetrieben.
Ich könnte es mir nicht mehr anders vorstellen.

Gruß
der alte Schwede
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